Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

Instantliebe ist angesagt

In Bezug auf die Frauen, die Love-Shys begehren, schreibt Gilmartin:

(…) most of the younger love-shy men seemed to maintain a sense of optimism that they could or would somehow one day magically be able to win such a specimen without taking any positive steps on their own initiative. Their fantasies and daydreams revolved almost exclusively around the imagery of already having such a beautiful woman.

(Gilmartin: Shyness and Love, S. 301)

Mir ging es früher genauso. Bei jedem Mädchen, in das ich verliebt war, hielt ich es für möglich, dass es meine Zuneigung erkennen würde und meine Nähe suchen würde. Wenn wir zueinander passten, würde das Mädchen mich finden und sich für mich entscheiden und wir wären plötzlich in einer Beziehung. Ich glaubte, die künftige Begegnung mit der Geliebten sei ganz sicher, weil ich ja tiefe Gefühle für sie empfand. Anderenfalls, falls das Mädchen kein Interesse an mir zeigen würde, könnte ich es ohnehin nicht lieben. Wechselseitige Zuneigung und Vertrauen sind für mich Voraussetzungen für eine dauerhafte Liebe. Somit ist die einzige Möglichkeit, wie eine Beziehung entstehen könnte, dass die Auserwählte die Initiative ergreift. Es ist aus mehreren Gründen völlig ausgeschlossen, dass ich den ersten Schritt mache. Die Erfahrungen von Millionen Männern geben mir Recht.

Liebesunfähigkeit bei Frauen

Ein älterer und einsamer Love-Shy schildert, wie seine zaghaften Annäherungsversuche gewaltsam zurückgewiesen wurden:

Anyway, it took until my sophomore year until I spotted someone who I really liked. This girl was a freshman, and she had the most beautiful long, dark hair you ever saw. She had a really beautiful face with a kind of ethereal look to it, like she had come from some other world. And she had blue eyes and narrow, thin legs. I mean she was really perfect! But I had never dated anyone in my life, and I knew that I couldn’t just go up to her and say anything.

So pretty soon I began making mental notes of the times of day and places around campus where I saw her. I spotted her a lot in the library; and I couldn’t take my eyes off of her. I couldn’t concentrate on a thing. I’d sometimes have my book turned to the same page for hours on end whenever she was there. And by Thanksgiving I was following her all over the campus. Several times she looked like she was going to approach me. And I got so frightened I had to go to the bathroom. I mean, I was just shaking all over. I knew I wanted her more badly than life itself. But I would shake all over whenever she would turn around and look my way.

Anyway, one day this big, tough-looking adult accosted me as I was peering through a first floor window at her where she was attending a math class. The guy showed me a police badge. And I was really shocked. (…)

(ebenda, S. 356-357)

Weibliche Gewaltexzesse

Und so nimmt die Kriminalisierung und Pathologisierung männlicher Zuneigung ihren Lauf. Der Begriff des Feminats scheint mir für diese Gesellschaft sehr treffend. Wie Love-Shys auch versuchen, der Frau, die sie begehren, nahe zu sein oder sie auf sich aufmerksam zu machen, sie scheitern regelmäßig an der von Frauen bestellten Gewalt dieser sexuell repressiven kapitalistischen Gesellschaft. Solche Erfahrungen mit von Frauen veranlasster Gewalt sind typisch für Love-Shys. Weitere Erfahrungsberichte belegen das:

Another behavior which got some of the love-shy men into trouble was that of writing love-letters to a girl with whom they had become infatuated. For example, a love-shy man might use various means to find out a girl’s name. A few of the men spoke about how they had sneaked up to a girl’s books and papers in the library while she was away from her study table or on a break in the bathroom. After receiving the love letters these shy men had written, the women often became very nervous and upset. Often they would respond by going to the police or the dean or to some other legal source about the matter. This outcome served to further disillusion many of the love-shy men about women. Indeed, this type of (to them) hostile response caused many of the love-shy men to become all the more lethargic about doing anything constructive to remedy their love-shyness situation.

One love-shy man had been fired, and another had been called on the carpet at work, because of love letters which they had surreptitiously sneaked onto the desks or lockers of young women employees in whom they had been infatuated. In both cases the young woman had responded by taking these innocent love letters to the boss. Both women had evidently been quite nervous about the letters because they had had no acquaintanceship with the young man at all. They didn’t even know who he was. Again, the very hostile, punishing response on the part of these women had proved quite traumatic to the love-shy men. It made them more fearful of women than ever, and it served to disillusion them all the more strongly about their chances of ever being able to secure meaningful female companionship.

(ebenda, S. 358-359)

Auf Veranlassung einer Frau werden Männern die Menschenrechte entzogen. Männer dürfen sich nicht mehr frei bewegen, ihre Meinung nicht mehr frei äußern, ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Wenn eine Frau will, kann sie in diesem kapitalistischen Feminat die Karriere, das Einkommen und das Leben eines Mannes zerstören.

Glücklicherweise bedurfte es keines ähnlichen Vorfalls mit einer Frau, damit ich mich nicht auf diese riskanten Aktionen einließ. Dass ich als Mann sehr vorsichtig sein musste, um nicht die wenigen Überlebensrechte, die mir zugestanden werden, zu verspielen, war mir wohl intuitiv schon lange klar. Nur ein Mensch zweiter Klasse zu sein, ging mir unhinterfragt in Fleisch und Blut über. Die starke Disziplinierung, die die Gesellschaft Männern von klein auf angedeihen lässt, tat ein Übriges, erleichterte es mir anscheinend, die Unterdrückung hinzunehmen und nach außen Konformität vorzutäuschen. Innerlich bin ich längst aus diesem menschen- und v. a. männerverachtenden Feminat emigriert.

Doch bis vor einigen Jahren teilte ich tatsächlich die naive Vorstellung gerade der jüngeren Love-Shys, dass Liebe jederzeit möglich sei – jedes Mal, wenn ich verliebt war. Ich hatte die Gewissheit, nicht allein zu sein, weil es eine Frau gab, die mich lieben könnte. Mit der Zeit kam die bittere Erkenntnis. Sich verlieben klappt nicht mehr. Dazu waren die Enttäuschungen zu zahlreich und zu bitter. Ich sehe inzwischen viel klarer den wahren Charakter von Frauen. Rückblickend war es unfassbar naiv anzunehmen, dass Frauen ähnlich wie ich Liebe empfinden konnten. Die Einsicht in die Notwendigkeit dieses kapitalistischen Feminats erleichtert es mir jedoch nicht, mich damit zu arrangieren und mich darauf einzustellen, mein Leben lang allein zu bleiben. Das wird gewiss ein langer und schmerzvoller Prozess werden.

Weibliche Vergewaltigung

Der Begriff der weiblichen Vergewaltigung scheint mir sehr passend für die verschiedenen Arten der Zurückweisung durch Frauen. Denn der psychische Schmerz ist mit dem Trauma, das eine tatsächlich – also mit Gewalteinsatz – vergewaltigte Frau erleidet, vergleichbar. Zu bemerken ist, dass eigenartigerweise die weibliche Vergewaltigung, die ja ein Gewaltakt gegen den Willen des Mannes ist, ganz selbstverständlich von den meisten Frauen praktiziert wird und nicht sanktioniert wird – wieder ein Privileg, das Frauen im Feminat genießen. Frauen dürfen nach Belieben vergewaltigen, während Männer das doppelte Risiko tragen, bei Kontaktaufnahme mit einer Frau von ihr weiblich vergewaltigt zu werden oder in ihrem Auftrag vom Staat wegen einer erfundenen Vergewaltigung zur Rechenschaft gezogen zu werden. In jedem Fall ist wenigstens ein Bereich des Lebens eines Mannes ruiniert und er ist für immer traumatisiert.

Umerziehung der Frau

Dieses Schicksal, wehrloses Opfer des Feminats zu sein, das ich mit vielen anderen männlichen Lesben teile, ist gerade deshalb so traurig, da Love-Shys, insbesondere männliche Lesben, die idealen Partner moderner, emanzipierter, Frauen sind. Sie sind effeminiert, sanft, können für eine Frau die beste Freundin und der Liebhaber in einer Person sein. Sie sind der moderne Typ Mann, der mit einer technologischen Gesellschaft zurechtkommt. Dieser Typ hat die archaische Augenblicksfixierung des aggressiven instinktgetriebenen Steinzeitjägers überwunden und sich selbst zivilisiert. Er anerkennt die rechtliche Gleichheit aller Menschen, ohne Ansehen ihres Geschlechts. Er ist ein rationaler Planer, der statt Konkurrenz und Raub die Kooperation zur Mehrung des Reichtums aller sucht. Statt seine in einer industrialisierten Gesellschaft weitgehend nutzlosen Muskeln zu trainieren, kultiviert er seinen Intellekt, der in jeder aufgeklärten und offenen Gesellschaft unabdingbar ist. Love-Shys (etwa 1,5 % der männlichen Bevölkerung) sind die ganz realen, erreichbaren, Traummänner, ein Schatz, den jede Frau jederzeit heben kann, wenn sie ihn zu erkennen versteht, und wenn sie wenigstens den Mut hat, ehrlich zu sich und ihren Mitmenschen zu sein und den ersten Schritt zu machen.

Gilmartin sieht in dem Punkt noch einen Erziehungsbedarf bei Frauen:

As I have indicated, people tend to most strongly fear those things, situations or people which they do not understand. Thus, it would appear that some education at both the high school and the college/university level might be in order in terms of rendering young women aware of the motivational psychology of love-shy men. Young women need to be advised that love-shy men are not in any way dangerous, despite the fact that love-shy following and staring behavior appears to be inordinately „weird“.

(ebenda, S. 358; Hervorhebung im Original)

Das kann ich nur unterstreichen, bezweifle aber zugleich, dass Erziehung allein von Nutzen ist. Viele Frauen wissen heute sehr gut (oder könnten es wissen, wenn sie Statistiken lesen und verstehen würden), dass ihnen von Männern keine Gefahr droht. Schon immer opferten sich Männer zum Schutz von Frauen auf. Heute wissen Frauen mit Waffengewalt gegen Männer zuzuschlagen und sind sehr kreativ darin, Gewalt gegen sich (die es ja kaum mehr gibt) zu erfinden, um Männer an die Staatsgewalt auszuliefern und aus ihrem Leben entsorgen zu lassen. Der Staat ist zu einem großen Umverteilungsmechanismus für Vermögen von Männern zu Frauen geworden. Frauen haben im Allg. ein instrumentelles und materielles Interesse an Männern, in dem sie von dieser Gesellschaft noch bestärkt werden.

Die Prioritäten müssten so verschoben werden, dass Frauen nicht zur Gnade mit Männern erzogen werden brauchen, sondern, dass Frauen überhaupt keine Gewaltmittel mehr an die Hand gegeben werden, die ihnen die Unterjochung und Ausbeutung von Männern erlauben. Das bürgerliche Recht, das Frauen privilegiert, ist das bedeutendste dieser Gewaltmittel. Auch bei diesem Problem bietet sich eine kommunistische Revolution wieder als saubere Lösung an.

Kommentare zu: "Das Bedürfnis nach Instantliebe und die Zurückweisung mittels weiblicher Vergewaltigung" (5)

  1. […] Männer von Frauen misshandelt werden. So gut wie jeder heterosexuelle Mann ist schon Opfer einer weiblichen Vergewaltigung geworden. Sie geschieht millionenmal häufiger als die „Vergewaltigung“ von Frauen. Die […]

  2. […] Verführung und sie verfügen nicht über dieselben Mittel. Sie können Frauen, die sie weiblich vergewaltigen, nicht ebenfalls wegsperren lassen, weil die gesetzlichen Definitionen der Sexualdelikte nur dem […]

  3. […] (S. 40). Dieses Konzept von „Vergewaltigung“ ist sehr unspezifisch, weil fast jeder Sex eine weibliche Vergewaltigung von Männern wäre. Es ist fraglich, wie sinnvoll es dann noch ist, zwischen Sex und […]

  4. […] glücklicher sind als andere Frauen. Sex macht eben glücklich. Frauen, die zurückweisen (d.h. weiblich vergewaltigen), haben das noch nicht begriffen bzw. noch nicht für sich […]

  5. […] muss davon ausgehen, dass beinahe jede weibliche Vergewaltigung – d. h. die Zurückweisung eines Mannes durch eine Frau – in der Liebesunfähigkeit der Frauen […]

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