Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

„Hm, kann ich Alpha werden und Lesbe bleiben?“

Dass Pick Up/Game (PU/G) für die meisten Männer, insbesondere für Love-Shys und männliche Lesben nutzlos ist, habe ich bereits gezeigt. Ich werde hier nachweisen, dass die Theorie grundsätzlich fehlerbehaftet und widersprüchlich ist. Die Kritik ist also viel tiefgreifender: PU/G nutzt nicht nur nichts, es kann auch aufgrund seiner falschen Annahmen und seiner Inkonsistenz nicht funktionieren. Indirekt hat mir das auch der Evolutionsblogger, Game-Propagandist und Kapitalist (sic!) Christian bestätigt, indem er keine Antwort auf meine Einwände gegen die Validität der PU/G-Theorie wusste (siehe Kommentar vom 16. Februar 2012 um 9:40).

Einige Kritikpunkte sind:

  1. PU/G ist zirkulär, weil es durch den Faktor „von Frauen für gut befunden“ notwendig voraussetzt, was erst durch PU/G erreicht werden soll. Um sich für PU/G zu qualifizieren, muss man es bereits erfolgreich durchlaufen haben. Folglich kann jemand, der durch PU/G etwas erreichen will, niemals mit PU/G beginnen. Und wer damit beginnt, kann nichts Neues durch PU/G erreichen, weil er bereits Erfolge bei Frauen zu verzeichnen hat. PU/G kann höchstens Effekte verstärken, die auch ohne PU/G bereits vorliegen. PU/G nutzt allein Alphas, um noch mehr Frauen an sich zu binden. Dem Rest der gynephilen Männer schadet es durch diese Verknappung von Frauen.
  2. Der Anwender von PU/G soll ein Anführer von Menschen sein. Als Strategie für die breiten Massen der Männer ist PU/G dadurch untauglich. Es dient allein einer Elite aus Führern, eben wieder den besagten Alphas, ca. 20% der Männer. Die Voraussetzung, ein Führer zu sein, ist auch nicht herstellbar, weil sie eine Hierarchie in der Gesellschaft impliziert. Mit anderen Worten, Führer gibt es nur, solange die Gesellschaft von einer Hierarchie durchzogen ist, und wenn alle Männer Führer sind, gibt es keine Hierarchie mehr. Das ganze Führer-Konzept ist inhärent widersprüchlich, weil alle Männer genau dann Führer wären, wenn sie keine Führer wären.
  3. Einige Kriterien für hohen Status, der mittels PU/G erreicht werden soll, widersprechen einander. Weil sie nicht alle erfüllbar sind, ist der höhere Status unerreichbar. Für männliche Lesben z. B. sind die Anforderungen eines großen Freundeskreises und einer zielstrebigen, selbstbestimmten, authentischen Persönlichkeit nicht in Einklang zu bringen. Männliche Lesben meiden jegliche Beziehung zu anderen Männern. Sie wollen absolut nichts mit Männern zu tun haben, weil sie eine weibliche Geschlechtsidentität haben und gynephil sind. Wie sollen sie, wie es in PU/G-Ratgebern so schön heißt, „ihr Ding“ durchziehen, ihren lesbischen Weg gehen, und zugleich männliche Freunde haben? Sie müssten ihre Persönlichkeit komplett negieren, was ich ohnehin für undurchführbar halte. Sie müssten ihr Selbstbewusstsein, ihr ganzes feminines Wesen, den Kerninhalt ihres Lebens zerbrechen. Ein solcher radikaler selbstzerstörerischer Akt erinnert an die brutale „Umerziehung“ von Schwulen oder anderen durch die Gesellschaft marginalisierten Gruppen. Sie zerstört gewaltsam Menschen und kann nie Erfolg haben.

Weitere Kritikpunkte und Beispiele, wie Alpha-Kriterien sich wechselseitig ausschließen, können in den Kommentaren ergänzt werden.

Weil PU/G falsch ansetzt, kann es die schweren Probleme der Frauen mit Beziehungen zu Männern (weibliche Vergewaltigung, Frigidität, Hysterie, emotionale Kälte, Liebesunfähigkeit, Kommunikationsunfähigkeit, Inkohärenz in der intentionalen Kognition, schwere Defizite im logischen Denken, …) nicht lösen. Ich schlage daher Maßnahmen vor, die auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen abzielen. Wenn die weiblichen Privilegien abgebaut sind, dürften sich die Probleme, die sich aus dem Machtgefälle ergeben, von selbst lösen. Folgende Schritte sind naheliegend:

  • Die Meinungs- und die Rezipientenfreiheit werden nicht beschränkt. Pornografie und die Kommunikation von Männern genießen den vollen Grundrechtsschutz.
  • Die Sexualität wird liberalisiert, indem sie vom Staat nicht mehr reguliert wird. Alle Sexualdelikte werden ersatzlos gestrichen.
  • Frauen genießen keine Vorzüge im Rechtswesen. Für mutmaßliche weibliche Opfer wird die Beweislast nicht umgekehrt.
  • Nichtgleichbehandlung von Gruppen in der Gesellschaft wird geächtet. Alle Menschen genießen dieselben Rechte, unabhängig davon, welchen Gruppen sie angehören.

Wie unschwer zu erkennen ist, bewirken die Maßnahmen eine Entwaffnung der Frauen. Statt ihnen wie bisher die Waffen des Staates zum Spielen zu geben und sie dann nicht zu bestrafen, weil sie unmündig sind, sollte künftig die Maxime befolgt werden: Frauen nicht mit Waffen für ihre perfiden Shittests ausstatten, Frauen wie mündige Menschen behandeln. Das ist die Quintessenz der notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen. Frauen sollen die Verantwortung für die Gewalt, die sie Männern antun, tragen.

Ich bestreite, dass die Ziele von PU/G überhaupt im Rahmen der persönlichen Entwicklung erreicht werden können. Die Ausgrenzung von Männern aus dem menschlichen Leben ist ein Produkt der Gesellschaft und daher nur im Zuge der Zerschlagung des Kapitalismus zu beenden. Wie viele andere vermeintliche Störungen werden auch Love-Shyness und die weibliche Geschlechtsidentität von Männern einzig durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen als Störungen konstruiert.

(Foto: DJChan, Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0)

Kommentare zu: "Warum die Theorie von Pick Up/Game grundsätzlich fehlerhaft ist" (4)

  1. […] ich mal über meine Erfahrung aus der Anwendung einiger Game-Richtlinien Auskunft geben. Da Game widersprüchlich und für die meisten Männer nutzlos ist, erwartete ich von meinem Selbstversuch nicht mehr, als […]

  2. […] aus meinen Artikeln über Game hervorgeht, ist es als Verfahren, Beziehungen mit Frauen zu knüpfen, indiskutabel, da […]

  3. […] a. Texte von Esther Vilar, befasste mich mit der Evolutionstheorie und las Texte über Pick Up und Game. Viele Erkenntnisse übernahm ich, vieles verwarf ich. Ich denke, es ist nicht übertrieben, zu […]

  4. […] endgültig, dass PUG nutzlose Scharlatanerie ist. Auf Widersprüche der Theorie habe ich mehrmals hingewiesen. Teilweise ist die Fehlerhaftigkeit auch offensichtlich, wenn sich manche Richtungen auf obskure […]

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