Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

Game im Selbstversuch

Neben den Einsichten über Pick Up/Game, die ich hier schon geäußert habe, will ich mal über meine Erfahrung aus der Anwendung einiger Game-Richtlinien Auskunft geben. Da Game widersprüchlich und für die meisten Männer nutzlos ist, erwartete ich von meinem Selbstversuch nicht mehr, als dass die Kontaktaufnahme zu Frauen und Gespräche mit ihnen ermöglicht würden. Genau das und nicht mehr ist auch passiert.

Stets die Game-Regeln zu befolgen war sehr anstrengend. Ich musste dauernd bewusst überlegen, wie ich auf eine Antwort reagieren soll und welche Strategie ich forcieren soll. Ich dachte nur noch an die Beispiele und Konzepte, über die ich gelesen hatte, rief mir allerlei Strategien und Gegenstrategien ins Gedächtnis: Framing, Neg, Shittest, Humor, Bitch Shield, Ignoranz, Dominanz … Ich kam mir vor wie in einem Kampf, fühlte mich sehr angespannt und unwohl, während meine „Gegnerin“ ganz gelassen die Dynamik des Gesprächs vorgab.

Skrupel vor der Anwendung von Game, die bei vielen Love-Shys üblich sind, hatte ich selbstverständlich nicht, weil mir klar ist, dass Frauen Männer nach einem Alphaverhalten auswählen und sich wohlfühlen, wenn sie so behandelt werden. Ich fühlte mich jedoch unwohl und mir selbst entfremdet, weil ich nicht mehr die Person war, die ich sonst bin. Ich war ein Schauspieler, verbarg meine Persönlichkeit, spielte der Frau ein Bild von mir vor, mit dem ich mich nicht identifizieren will. Mit der Direktheit und Offenheit, die Alphas angeblich an den Tag legten, hatte das nicht mehr viel zu tun. Ich bedauerte es während der Gespräche, dass ich mich nicht so geben durfte, wie ich bin, dass diese Frau mich nicht so kennenlernen durfte, wie ich bin.

Love-Shys und männliche Lesben wissen mit Game wenig anzufangen, weil sie sich aufgrund ihrer Persönlichkeit und Geschlechtsidentität eine von Ehrlichkeit geprägte Beziehung wünschen. Eine Frau, die für sie Freundin (romantisch, sexuell) und BFF (best female friend) in einem sein kann, wäre ihre bevorzugte Wahl. Manche Instinkte eines Alphas, etwa die Partnerin symbolisch zu beschützen (es gibt nichts, wovor ein Mann eine Frau heutzutage real schützen müsste) und für sie emotional zu sorgen, sind in Love-Shys durchaus präsent. Diese Instinkte sind bei ihnen jedoch sehr reziprok angelegt, sodass von der Frau auch eine äquivalente emotionale Zuwendung erwartet wird. Außerdem sind Love-Shys und männliche Lesben weiblich-passiv. Sie können daher nicht Frauen jagen, sondern sie finden ihre Liebste und warten, von ihr auch gefunden zu werden. Zusammengefasst: Love-Shys und männliche Lesben wünschen sich eine sehr innige romantische Beziehung, die auf großer Ehrlichkeit und Offenheit beruht. Es heißt, ein/e Freund/in ist ein Mensch, vor dem man laut denken kann. Eine Frau, mit der das möglich ist und die dazu noch physisch und intellektuell für den jeweiligen Mann ansprechend ist, ist es, was Love-Shys und männliche Lesben suchen. Mir ist absolut klar, dass so eine Beziehung mittels Game und als Alpha niemals erreicht werden kann, weil ein Alpha so gut wie alle seine Prinzipien fallen lassen müsste. Mir ist aber ebenso klar, dass aufgrund der biologischen Varianz und kulturbedingt Frauen existieren, die sich Männer aussuchen und die ersten Schritte machen. (Ich könnte mir vorstellen, dass autoandrophile Frauen mit den Bedürfnissen von Love-Shys oder männlichen Lesben sympathisieren können.) Zumindest was die Kultur betrifft kann ein Einfluss ausgeübt werden, der Frauen (wieder) dazu ermutigt, selbst aktiv zu werden. Die passive Anspruchshaltung, in die Frauen vom Genderfeminismus gebettet wurden, ist reversibel.

Ich kann auch das Privilegiengefälle zwischen Männern und Frauen, in das sich Game einfügt, nicht gutheißen. Männer nehmen Frauen in ihren „männlichen Blick“, ein Blick auf das Aussehen. Frauen hingegen stellen geradezu detektivische Untersuchungen an, bevor sie irgendeine Beziehung zulassen. Das ist auch ein Aspekt, den ich als Vertreter der Nichtdiskriminierung, nicht unterstützen will. Warren Farrell hat auf diesen weiblichen Blick recht prägnant hingewiesen:

Most women’s ideal is to not be sexual until nine conditions are met: physical attraction; respect; emotional compatibility; intelligence; singleness; success (or “potential”); being asked out; being paid for; and the man risking rejection by initiating the first kiss…. Men want sex as long as only one condition is met – physical attraction.
(Why Men Are The Way They Are, S. 13)

An mitlesende Game-Theoretiker und -Praktiker (und alle anderen, die sich für kompetent genug halten): Nun zeigt mal, was ihr draufhabt und sagt mir, wie ich weiter verfahren soll. Zu einem Close (jeglicher Art) kam es nicht. Das HB verabschiedete mich ziemlich abrupt, aber freundlich, und reagierte auf natürlich sparsam dosierte Nachrichten von mir nicht mehr. Die richtige Strategie ist jetzt Ignoranz, nicht wahr? Wie und wann soll ich mich wieder bei ihr melden? Davon, dass sie sich meldet, ist wohl nicht auszugehen.🙂 Das HB jetzt schon ganz aufzugeben fände ich schade, weil sie ja das Game mit mir gespielt hat und sich daher vermutlich eine Reaktion von mir wünscht, die ihr beweist, dass ihre erste Intuition richtig war und ich doch irgendwelche Qualitäten habe, die ihr zusagen. Und ich würde mich ihr gegenüber gerne irgendwann, wenn es das Game zulässt, etwas ehrlicher präsentieren. Ich habe das Gefühl, sie hat einen ziemlich falschen und negativen Eindruck von mir bekommen. Wie eine Bitch schien sie mir überhaupt nicht. Wäre es möglich, dass mein Versuch von Game zu wenig sensibel war? Oder soll ich noch schärfer nachlegen, sie richtig verarschen? Erwartet sie von mir, dass ich sie wie Dreck behandle? Woher weiß man, welche Strategie angemessen ist?

Kommentare zu: "Game im Selbstversuch" (3)

  1. […] Da schon mal die Besserwisserinnen unterwegs sind, weise ich darauf hin, dass Tipps für mein Game im Selbstversuch noch immer ausstehen. Share this:Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post […]

  2. […] aus meinen Artikeln über Game hervorgeht, ist es als Verfahren, Beziehungen mit Frauen zu knüpfen, indiskutabel, da untauglich. […]

  3. […] Game bin ich gescheitert. Nun probiere ich mal Stalking. Stalking sind jene Elemente von Game, die das Feminat durch seinen […]

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