Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

Männliche Lesben und Guydykes wünschen sich lesbische Intimität.

Der Satz gilt jedenfalls, wenn man Guydykes und männliche Lesben so definiert wie ich. Ich orientiere mich dabei zum einen an einer Definition von Guydykes in der Wikipedia und zum anderen an der Einführung des Begriffs der männlichen Lesbe durch Brian G. Gilmartin. In der Wikipedia heißt es:

Guydyke refers to a biologically male person who feels a strong romantic or erotic attraction towards lesbians, bisexual women, or lesbian culture.

(„Girlfag and guydyke“)

Im selben Artikel wird noch eine andere Definition gegeben:

In queer subcultures a lesbian-identified male is called guydyke. This term was coined in about 2001 as an equivalent to girlfag.

(ebenda)


Zunächst ist zu klären, was mit „biologically male“ und „male“ gemeint ist. Da Geschlechter immer biologisch bestimmt sind, hilft die Einschränkung nicht weiter. Und die Beschreibung als „male“ ist zumindest irreführend, weil in der Definition ein möglicher Gegensatz („lesbian-identified“) behauptet wird. Da der Ausdruck „Guydyke“ laut dem zweiten Zitat wohl seinen Ursprung in der queer(theoretisch)en Kultur hat, die die Geschlechtsidentität als Funktion des Gehirns/Geistes als unabhängig von biologischen Faktoren und (durch die Gesellschaft) frei formbar postuliert, ist anzunehmen, dass sich „(biologically) male“ auf das Körpergeschlecht bezieht.

Ein Guydyke ist demnach eine Person mit männlichem Körpergeschlecht (verkürzt: ein Mann), die sich zu lesbischen oder bisexuellen Frauen hingezogen fühlt. Die Geschlechtsidentität eines solchen Mannes ist damit nicht weiter spezifiziert. Nach der zweiten, der Queer-Lesart, ist die Geschlechtsidentität anscheinend als weiblich fixiert. Offensichtlich gibt es Personen, die einer Definition entsprechen, aber nicht der jeweils anderen. Diese doppelte Definition macht den Terminus unbrauchbar, weil seine Verwendung zu Widersprüchen führen kann. Ich werde mich daher auf eine Definition festlegen, und zwar auf die erste, weil die zweite die Definition der männlichen Lesbe überlappt und sich somit von einem bereits definierten Begriff nicht klar trennen lässt. Es ist m. E. sinnvoller, in einem Bereich möglicher Ausprägungen möglichst breit zu differenzieren. Inwiefern ein sich als lesbisch identifizierender Mann sich substanziell von einer männlichen Lesbe (nach Gilmartin) abheben soll, wird nicht deutlich.

Die Unterschiede zwischen einem (wie eben definierten) Guydyke und einer männlichen Lesbe liegen jedoch auf der Hand: Beim Guydyke ist das Objekt der Begierde eine lesbische Frau, bei der männlichen Lesbe ist die eigene Geschlechtsidentität weiblich. Weder muss ein Guydyke effeminiert sein, noch muss eine männliche Lesbe nur Lesben begehren. Andererseits spricht auch nichts dagegen, dass jemand ein Guydyke und eine männliche Lesbe zugleich ist. Weil das aber überhaupt nicht notwendig ist, muss auf die Unterscheidung Wert gelegt werden. Im Allg. sind männliche Lesben keine Guydykes und Guydykes keine männlichen Lesben.

Ich selbst z. B. habe eine weibliche Geschlechtsidentität und fühle mich zu Frauen hingezogen, bin gynephil. Dabei ist mir deren sexuelle Orientierung (homo- oder heterosexuell) gleichgültig. Daher bin ich eine männliche Lesbe, aber kein Guydyke. Welche sexuelle Orientierung eine Partnerin einer männlichen Lesbe idealerweise haben sollte, ist eine schwierige Frage. Sie sollte so heterosexuell sein, dass sie mit der männlichen Erscheinung ihres Partners zurechtkommt. Sie sollte gleichzeitig so homosexuell sein, dass sie ihren Partner mit seiner weiblichen Seite lieben kann. Wie sinnvoll hier die Begriffe „homo-“ und „heterosexuell“ sind, sei dahingestellt. Es wäre jedenfalls von Vorteil, wenn eine prospektive romantische oder sexuelle Partnerin einer männlichen Lesbe androphil wäre.

Im Girlfag- und Guydyke-Forum kann weiter zum Themenkomplex diskutiert werden. Girlfags sind das weibliche Pendant zu Guydykes.

(Foto: LesMedia, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Kommentare zu: "Männliche Lesben sind keine Guydykes und Guydykes keine männlichen Lesben" (2)

  1. […] einer Email hat mir jemand ein paar Einwände und Fragen zu meinem Artikel über Guydykes geschrieben: die eigentliche frage, die sich stellt, ist, inwiefern sich ein widerspruchsloses bild […]

  2. Anonymous schrieb:

    guydykes entsprechen lesbischen Männern und nicht männliche Lesben.

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