Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

In einer Email hat mir jemand ein paar Einwände und Fragen zu meinem Artikel über Guydykes geschrieben:

die eigentliche frage, die sich stellt, ist, inwiefern sich ein widerspruchsloses bild ergeben kann, wenn ein gd (im engen sinne) nicht gleichzeitig ml (im engen sinne) ist, bzw umgekehrt. denn wenn der guydyke nur lesben begehrt, muss er sich selbstredend für diese attraktiv machen (effeminieren).

Nein, er kann einfach nur die Gesellschaft von Lesben schätzen, ohne selbst eine weibliche Geschlechtsidentität zu haben und ausleben zu wollen. Außerdem begehrt eine männliche Lesbe nicht notwendigerweise nur Lesben. Die begriffliche Trennung ist schon sinnvoll.

und wenn die männliche lesbe sich auch in heterosexuelle frauen verliebt, ist wenig gewonnen, da diese ihn nicht als lesbe lieben werden (analog wie eine biologisch weibliche lesbe, die sich in heterosexuelle frauen verliebt). insofern ist diese spitzfindigkeit hinfällig, da ja auch lesben lesben sich (glücklos) in heterosexuelle frauen verlieben können. (denke ich zumindest.) das zu erwähnen als defitionsmerkmal ist insofern banal.

Das sehe ich anders. Eine heterosexuelle Frau kann eine männliche Lesbe körperlich als einen Mann lieben. Sie kann die männliche Lesbe als Mann sehen und eine besonders innige geistige Verbindung – von Frau zu Frau – mit ihr eingehen. Ich halte übrigens auch die Chancen, dass eine männliche Lesbe von heterosexuellen Frauen als Mann aufgefasst wird, für größer, als dass sie von weiblichen Lesben als Frau akzeptiert wird. Zumindest beim derzeitigen Stand des Feminats mit seinem repressiven Geschlechterrollendiktat gilt das. Ich wünsche mir, dass irgendwann Lesben und Schwule, egal welchen Körpergeschlechts, in den Gruppen der Lesben bzw. der Schwulen willkommen sind. Derzeit kann ich nicht erkennen, dass männliche Lesben im Kreis weiblicher Lesben auch nur geduldet werden.

fraglich ist die enge definition von gd zumindest insofern, als eigentlich trans*-neigungen ja dann eher bei ml als bei gd zu finden sein sollten — was zumindest bei girlfags offenbar nicht der fall ist. während witzigerweise transneigungen gerade bei gilmartin von den loveshys (wenn auch etwas implausibel (denn sie sagen durchaus, sie wären wohl lieber biologische frauen geworden)) verneint wurden. ein interessantes paradox, das sie mir nicht ganz erschlossen hat.

Es ist sehr plausibel, dass eine Ursache für den Zustand der männlichen Lesbe Cross-Sexualität ist. Die männliche Lesbe weicht deshalb von der Rolle ab, die für ihr Körpergeschlecht vorgesehen ist. Gilmartin hat einfach nicht nach transsexuellen Neigungen geforscht. Dass männliche Lesben autogynephil oder auch Transvestiten sind, liegt sehr nahe, weil sie Frauen sind und möglichst effeminiert leben wollen. (Ich z. B. bin Transvestit, aus verständlichen Gründen aber nicht öffentlich.) Das Bedürfnis nach einer körperlichen Angleichung ist jedoch bei ihnen nicht belegt. Daraus folgt nicht, dass männliche Lesben weniger feminin wären als andere Cross-Sexuelle oder andere Frauen.

Ich bin auf die für mich interessantesten Punkte der Email eingegangen. Ich konnte nicht alle Thesen nachvollziehen, sofern sie sich stark auf eine queertheoretische Basis stützten. Weitere Thesen kann der Autor der Email gerne in den Kommentaren zur Diskussion stellen.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: