Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

Masturbation

Wenig überraschend beschränkt sich die sexuelle Aktivität der Love-Shys auf Masturbation, hatten sie doch per definitionem noch nie Geschlechtsverkehr. Gilmartin ermittelte in seiner Studie für die älteren Love-Shys (35-50 Jahre) durchschnittlich 4,18 Ejakulationen pro Woche durch Masturbation, für die jüngeren Love-Shys (19-24 Jahre) 3,19 Ejakulationen. In der Vergleichsgruppe der Nicht-Schüchternen lag der Wert bei 0,35. Dafür kopulierten diese Männer aber im Schnitt 3,5 mal pro Woche mit ihren Partnerinnen. (Gilmartin: „Shyness and Love“, S. 323-324) Wie wenig Gelegenheiten, Frauen kennenzulernen, Love-Shys haben, sieht man an der niedrigen Frequenz ihrer Dates: 62% der jüngeren und 36% der älteren Love-Shys hatten noch nie ein Date. Kein Love-Shy hatte mehr als vier Dates pro Jahr.

Um diese Daten besser einordnen zu können, sollte man wissen, wie Masturbation und emotionale Ausgeglichenheit geschlechtsspezifisch zusammenhängen. Bei Männern korreliert die Masturbationshäufigkeit mit sexueller Unzufriedenheit. Bei Frauen hingegen geht häufiges Masturbieren mit guter geistiger Gesundheit, Selbstsicherheit, Spontaneität, Fröhlichkeit u.ä. einher. (ebenda, S. 326) Man mag diese Befunde so interpretieren, dass Männer, die keinen Sex mit einer Partnerin haben, eher frustriert sind und versuchen, durch verschiedene Praktiken der Masturbation ihr sexuelles Defizit zu kompensieren und ein befriedigendes sexuelles Erleben zu approximieren. Bei Frauen ist die häufige Masturbation eher eine Folge einer männlicheren Persönlichkeit. Solche Frauen sind mit den im Schnitt für Männer typischen Einstellungen ausgestattet, im Vergleich zum Durchschnitt der Frauen z. B. mit einer höheren Geselligkeit und mit einem entspannteren Umgang mit Sex, was sich auch darauf auswirkt, ob und wie sie die Masturbation praktizieren. Ferner lässt sich ableiten, dass Frauen seltener als Männer unfreiwillig sexuell abstinent sind und sich deshalb mit Ersatzhandlungen behelfen. Love-Shyness ist ein spezifisch männliches Problem, verursacht durch eine sexuell repressive Gesellschaft. Frauen sind kaum betroffen, da ihr Wohlbefinden weitaus weniger von Sex abhängt und da Sex dank der Monopolmacht des Feminats für Frauen jederzeit verfügbar ist.

Starker Sexualtrieb

Man kann davon ausgehen, dass Love-Shys nicht nur eine sexuelle Aktivität per Masturbation kompensieren, die nicht-schüchterne Männer mit Frauen ausleben, sondern sogar ein höheres sexuelles Verlangen haben als Männer im Durchschnitt. In der Theorie zum angeborenen Temperament von Hans Eysenck wird die Varianz der menschlichen Persönlichkeiten auf drei statistisch unabhängige, genetisch bedingte Dimensionen zurückgeführt: (1.) Gehemmtheit, (2.) Höhe der Angstschwelle und (3.) Psychotizismus. Love-Shys sind sehr gehemmt (d. h. introvertiert) und haben eine niedrige Angstschwelle (d. h. sie sind sehr emotional). Im Diagramm, das die ersten zwei Eysenckschen Persönlichkeits-Dimensionen erfasst, liegen Love-Shys im ersten Quadranten, der das melancholische Temperament abdeckt.

Eysenck fand heraus, dass Menschen die in der zweiten Dimension eine niedrige Angstschwelle (also hohe Emotionalität) aufweisen, einen vergleichsweise stärkeren Sexualtrieb haben. Wenn hohe Emotionalität zusammen mit Extrovertiertheit auftritt, kann bei der Person eine hohe Promiskuität auftreten, sodass der hohe Sexualtrieb gut befriedigt werden kann. Love-Shys bleibt diese Möglichkeit verwehrt. Sie scheitern schon daran, wenigstens mit einer Frau, die ihren ästhetischen Ansprüchen genügt, in Kontakt zu treten.

Romantische Bedürfnisse männlicher Lesben

Männliche Lesben dürften sich wiederum in einer etwas anderen Lage befinden. Wegen ihrer weiblichen Geschlechtsidentität sind sie in ihren sexuellen Präferenzen tendenziell weiblich orientiert. Was über die Masturbation und den Sexualtrieb bei Love-Shys gesagt wurde, wird wohl durchaus auch für männliche Lesben gelten. Allerdings scheinen mir die Prioritäten im Verhältnis mit Frauen noch ausgeprägter gesetzt. Männliche Lesben wollen eine lesbische, sehr weibliche Beziehung, noch mehr als die übrigen Love-Shys. Emotionale Kongruenz und eine romantische Bindung sind ihnen viel wichtiger als Sexualität, die um den Koitus zentriert ist. Ein Love-Shy (21 Jahre) beschreibt das so:

I’d love to have a really wonderful sex life with someone. But look at it this way. You can only have sex just so much. I always dreamed of having a girl I could really enjoy looking across the dinner table at. Let’s face it: a person spends a much, much larger portion of his life eating than he does having sex or doing just about anything else. I keep thinking how wonderful it would be to be able to have a really pretty face to look at all the time, and to know that she’ll always be with you no matter what. I know that if I could get a girl with a really pretty face and long hair to love me, I’d easily remain loyal to her forever.

(ebenda, S. 303)

Love-Shys und männliche Lesben sind durchweg sehr liberal eingestellt. Die recht verbreitete, gegenüber Promiskuität sehr präskriptive Sexualmoral ist ihnen fast völlig fremd. Sie sind vorehelichem Sex und vorehelicher Kohabitation sehr aufgeschlossen. Dass ihre Wünsche und ihr reales Sexualleben so weit auseinanderklaffen, liegt also keineswegs an etwaigen moralischen Bedenken. Sie wünschen sich einfach eine liebevolle und egalitäre Romantik zwischen sich und einer Frau, die von Frauen so nicht gesucht wird. Das Bild der innigen emotionalen Verbundenheit ist für Frauen im hiesigen Feminat nicht in die den Männern zugedachte Geschlechterrolle integrierbar.

Kommentare zu: "Das Sexualleben der Love-Shys" (2)

  1. Snake Plissken schrieb:

    „Sie wünschen sich einfach eine liebevolle und egalitäre Romantik zwischen sich und einer Frau, die von Frauen so nicht gesucht wird.“
    Gilmartin beschreibt das anders (ein interessantes Buch übrigens). Wenn eine von einem Love-Shy angebetete Frau in Kontakt mit diesem tritt, dann reagiert der Love-Shy mit Flucht. Sehr deutlich im Kapitel über Stalking: Sobald der Blickkontakt von der Frau erwidert wird, schaut der Love-Shy weg. Handelt es sich um jemanden, der der Frau folgt, so rennt er weg, wenn die Frau auf ihn zukommt.

    Typisch für Love-Shys ist, dass sie sich durch Angstreaktionen jede Möglichkeit zur Kontaktaufnahme verbauen: „And by Thanksgiving I
    was following her all over the campus. Several times she looked like
    she was going to approach me. And I got so frightened I had to go
    to the bathroom. I mean, I was just shaking all over.“

    Die ernsthafte Frage ist: Wie soll eine Frau, selbst wenn sie prinzipiell Interesse hat, den Kontakt aufbauen, wenn der Love-Shy flieht? Selbst im umgekehrten Rollenmodell, wenn eine Frau vor einem Mann flieht, wird dieser in den seltensten Fällen hinterherhechten (und wenn, dann handelt es sich oftmals um psychologisch auffällige Personen). Der kritische Punkt liegt genau in dieser Ängstlichkeit begründet; sie verhindert effektiv jede Kontaktaufnahme. Daher teile ich auch nicht unbedingt Gilmartins Hypothese, dass Love-Shyness nur bei Männern auftaucht. Man kennt schließlich auch den Fall des weiblichen „Mauerblümchens“ oder der „alten Jungfer“. Extreme Schüchternheit ist für Männer dramatischer als für Frauen, da weniger gesellschaftlich akzeptiert, aber ein Handycap ist es immer.

    Insofern wäre es interessant, wie sich ein Love-Shy ein KONKRETES Szenario für einen Beziehungsbeginn vorstellt. Dass die Träume da romantisch verklärt sind und kein Engel von den Wolken herabschweben wird, ist den Leuten ja bewusst. Aber wie würde ein realistischer Ablauf aussehen können, wenn man prinzipiell praktikables Verhalten annimmt? (Denn „alle Frauen sind liebesunfähig“ ist zwar eine bequeme, aber dennoch eine Ausrede. „Alle“ ist ein so starker Begriff, dass ein einziges Gegenbeispiel reicht, um die These zu Fall zu bringen, und mehrere Gegenbeispiele sind mir persönlich bekannt. Außerdem reichen bei 1,5% Love-Shys prinzipiell ja auch 1,5% Frauen aus, die genau solche Love-Shys wollen. Da bleibt immer noch eine riesige Mehrheit von 98,5% anderen Frauen übrig.)

  2. Heure d’été signifie soleil, bronzage egalement mignons, l’ensemble des tendances fra?ches. Ces sandales seront généralement, avec par ce fait ce gar?on, Kevin Madden ne sais sandales! Regardez on los angeles sandale Dalea, some sort of utilisant A single very good narrow talon A few pouces de plus indivisible cuir perlé open-toe sandale.
    Asos Evening Dresses http://www.asosdresses.net

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: