Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

Im Mai ist die internationale Ausgabe von „Exposing Feminism: The Thirty Years‘ War Against Men“ von Swayne O’Pie erschienen. Das Buch ist eine Materialsammlung, die die feministischen Ideologeme aufgreift und widerlegt. O’Pie weist nach, dass sich der moderne ideologische Feminismus auf Misandrie gründet und Misandrie propagiert. In einer „stillen Revolution“ hat er die Machtpositionen der westlichen Gesellschaften besetzt und verwirklicht sein Programm der kollektiven Bevorzugung von Frauen und der kollektiven Bestrafung von Männern.

In einem Kapitel über die angebliche Verbindung zwischen Marxismus und radikalem Feminismus irrt sich der Autor jedoch. Leider geht auch er dem populären und falschen Klischee auf den Leim, der Marxismus zeichne eine Diktatur der Frauen vor und strebe einen Kollektivismus – ähnlich dem feministischen – an. Das Gegenteil ist der Fall. Der Marxismus ist die einzige konsequente Befreiungsbewegung für Männer. Er ist die tiefgreifendste Umsetzung des Individualismus für alle. Sieht man jedoch über die antikommunistischen Vorurteile hinweg, die im Text verstreut sind, ist das Buch trotzdem erkenntnisreich.

Negativ fällt auf, wie inkohärent und repetitiv Kommentare des Autors um das gesammelte Material herum quasi eingefügt wurden. Die Gestaltung vieler Absätze als Stichpunkte unterstützt nur noch den Eindruck eines gedanklich zerstückelten oder zusammengewürfelten Textes. Vermutlich ist hier mit heißer Nadel gestickt oder keine durchgängige Argumentationslinie entworfen worden. Fakten und Daten zu paraphrasieren und in die eigene Argumentation einzubauen wäre einer prägnanten Präsentation eher dienlich gewesen, als immer wieder längere Passagen als Zitatblöcke einzuschieben. Ich schätze, fast die Hälfte des Buches besteht aus Zitaten. Obwohl mit Zitaten nicht gespart wird (die Belege sind allerdings in den Endnoten „versteckt“), vermisst man wissenschaftliche Belege für die sehr prononcierten Standpunkte des Autors. Er zitiert vorwiegend Äußerungen von Radikalfeministinnen, politische Botschaften und Zeitungsartikel. Zum Beleg der vorherrschenden Misandrie sind solche Zitate zweifellos notwendig. Hinweise auf wissenschaftliche Arbeiten, die die Thesen des Feminismus in Zweifel ziehen, sind allerdings dünn gesät. An die sorgfältige Arbeit mit Quellen, wie sie der Leser aus Warren Farrells Büchern gewohnt sein mag, reicht „Exposing Feminism“ nicht heran.

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