Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

Die 1970er-Jahre waren ein ökonomischer und kultureller Wendepunkt, ja sogar für den heute vorherrschenden Zeitgeist richtungsweisend und relevant. Sie haben uns z. B. den Postmodernismus, die erste Implementierung des inzwischen global durchgesetzten Neoliberalismus und in den Jahren 1973-1975 die schwerste Rezession der Nachkriegszeit beschert.

Anfang der 1970er-Jahre setzte im Westen eine Stagflation ein, d. h. hohe Arbeitslosigkeit und hohe Inflation. 1973 brach auch das Wirtschaftswachstum ein. Außer der Inflation halten die anderen Krisenerscheinungen tendenziell bis heute an. Insbesondere die Profitrate (das Verhältnis des Profits zum vorgeschossenen Kapital) hat sich seitdem nicht mehr erholt. Die fallende und dauerhaft niedrige Profitrate dürfte auch eine Erklärung der veränderten Einkommensentwicklung seit diesem krisenhaften Wendepunkt sein. Zum Einkommen ergibt sich ein desaströser und zugleich überraschender Befund.

Einerseits hat sich die Einkommenshöhe für die meisten Menschen, nämlich die Lohnarbeiter, von der Größe des Nationaleinkommens entkoppelt. Der Median der Haushaltseinkommen – also das Einkommen, das der Haushalt bezieht, der sich genau in der Mitte einer nach Einkommen sortierten Anordnung aller Haushalte befindet – ist deutlich schwächer gewachsen als das Nationaleinkommen. Daraus folgt eine Zunahme der Einkommensspreizung, da von irgendwelchen Haushalten das gestiegene Einkommen verdient werden muss. Dies sind eben genau jene Haushalte, die mehr als das Medianeinkommen beziehen, also die reichen. Arme sind ärmer geworden, Reiche noch reicher. Diese Entwicklung ist allgemein bekannt, wird allgemein beklagt und die wohl populärste (und aus marxistischer Sicht falsche) Theorie dazu benennt die Reformen des Neoliberalismus mit dem Ausbau der Finanzmärkte, massiven Angriffen auf Löhne, folglich Unterkonsumtion und hohe Verschuldung als Ursachen der Krise. Das ist allein deshalb nicht stimmig, da die Krise ein Jahrzehnt vor der breiten Anwendung des Neoliberalismus ausbrach.

Weniger bekannt ist, dass der Anstieg des Nationaleinkommens beiden Geschlechtern nicht gleichermaßen zugute gekommen ist. Das Medianeinkommen von Männern stagniert seit den frühen 1970er-Jahren.

Male Median Income

Im scharfen Kontrast dazu ist das Verhältnis des Nationaleinkommens zum Medianeinkommen von Frauen trotz Krise gleich geblieben. Das Medianeinkommen von Frauen ist ununterbrochen gestiegen.

Female Median Income

Andrew Kliman, ein marxistischer Ökonom, vertritt in „The Failure of Capitalist Production: Underlying Causes of the Great Recession“ (PDF) die Theorie, dass die fallende Profitrate seit Ende des Zweiten Weltkriegs den Boden für Stagnation, Krise und Rezession bereitete. In den folgenden Diagrammen (S. 83, 85) sind neben der offiziellen nominalen Profitrate der USA auch durch Kliman auf Basis ökonomischer Daten berechnete Raten abgebildet, die der Definition der Profitrate im Marxschen Sinn näher kommen dürften. Die sehr hoch angesetzte offizielle Rate hat mit den fürs Kapital relevanten Profiten wenig zu tun. Es handelt sich vielmehr um ein irreführendes Datum bürgerlicher Vulgärökonomie. Realistischerweise kann man davon ausgehen, dass die tatsächliche Profitrate heute bei unter 10% statt bei über 20% liegt, was für die Kapitalakkumulation umso bedrohlicher ist.

Inflation-Adjusted Property-Income Rates of Profit

Adjusted and Unadjusted Rates of Profit

Die Profitrate ist – gleichgültig, nach welcher Methode sie berechnet wird – von einem Höhepunkt um 1950 bis heute gefallen. Das von Marx formulierte, für den Kapitalismus charakteristische, Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate ist in der Theorie mathematisch-logisch begründet und empirisch ist eine fallende Profitrate (von 1948 bis 2007 in den USA pro Jahr -0,3%) nachgewiesen, was die Gültigkeit des Gesetzes zumindest nahelegt.

Eine niedrigere Profitrate führt notwendig zu einer niedrigeren Akkumulationsrate des Kapitals. Das Nationaleinkommen wächst schwächer oder sinkt und damit leiden auch die Einkommen der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft, der Lohnarbeiter, die auf Gedeih und Verderb von ihrer eigenen Ausbeutbarkeit abhängig sind. Hinzu kommt, dass das Kapital zur Wiederherstellung der Profitabilität versucht, die Ausbeutung zu verschärfen. Genau dies geschieht seit über 30 Jahren, flankiert durch die Politik des Neoliberalismus. Arbeit wird verbilligt, zeitlich ausgedehnt und zugleich verdichtet, sodass mehr Menschen in die aktive oder passive Lohnarbeiterschaft, d. h. die Reservearmee der Arbeitslosen, gedrängt werden. Der durch Angriffe auf Löhne, Sozialleistungen und Rente und allgemein durch „accumulation by dispossession“ (David Harvey) verschärfte Arbeitszwang ist ein wichtiger Faktor für die Einkommensstagnation bei Männern und den Einkommenszuwachs bei Frauen. Ein Arbeiter erhält immer weniger Lohn und daher sind, um die Reproduktionskosten innerhalb eines Haushalts zu decken, mehr Haushaltsmitglieder, v. a. also die vormals untätigen Frauen, auf den Verkauf ihrer Arbeitskraft verwiesen. Das erhöhte Arbeitskraftangebot wirkt wiederum senkend auf die Löhne.

Kommentare zu: "Feminat und Kapital arbeiten Hand in Hand an der Verelendung der männlichen Proletarier" (3)

  1. […] den CIA zu informieren. Dem Feminismus wurde durch Staat und Kapital zum Sieg verholfen. Dass die ökonomischen Bedingungen eine entscheidende Rolle spielten, damit eine Ideologie wie der Feminismus reüssieren konnte, habe […]

  2. […] vom despotischen System des kapitalistischen Feminats weitergedacht werden. Wie kann die Ausbeutung von Männern zugunsten der Frauen nicht nur in persönlichen Beziehungen, sondern […]

  3. […] von Männern offenbar gerade gut genug. So läuft es eben im kapitalistischen Feminat: Kapital und Feminat arbeiten Hand in Hand an der Ausbeutung und Unterdrückung von […]

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