Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

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Was ist die Weibergemeinschaft?

Gemeinschaften von Weibern sind viele vorstellbar, nämlich überall, wo Weiber sich zusammenfinden. Der Terminus Weibergemeinschaft ohne weitere Qualifizierung – bereits für das 16. Jh. belegt – meint aber etwas sehr Spezifisches, eine Organisationsweise der sexuellen Interaktion zwischen Menschen. Nur diese ist Gegenstand der folgenden Betrachtung. Da das Wort heute nicht mehr gebräuchlich ist, findet es sich nicht in Nachschlagewerken der Gegenwartssprache. Das „Deutsche Wörterbuch“ (erstellt von 1838 bis 1961) liefert diese Definition:

die sitte dasz ein weib einer anzahl von brüdern oder sonst verbundenen männern gemeinsam angehört

Marx gebrauchte den Ausdruck nur in zwei Texten, in einem nicht zur Veröffentlichung bestimmten Manuskript aus dem Jahr 1844 und mit Engels als Koautor im „Manifest der Kommunistischen Partei“ (1848). Die Stellen lauten: (mehr …)

Das Feminat auf den Punkt gebracht

Telepolis – sonst für kritische Artikel und Wissenschaftsjournalismus bekannt – hat sich einen ziemlichen Fehltritt geleistet, indem es die radikalfeministische Hetzerin Ute Scheub von der Leine gelassen hat und sich in einem misandrischen Pamphlet austoben ließ. Darin beweist sie eine bemerkenswerte Realitätsferne und ein großes Talent, die Empirie komplett zu ignorieren und „Fakten“, die ihre kruden Thesen untermauern, frei zu erfinden, mit dem sie selbst unter Feministinnen noch hervorsticht. Das einzig Gute an diesem Machwerk sind die Leserkommentare, die Scheubs wirre Thesen restlos widerlegen. Einige Perlen antifeministischer Kritik und Gesellschaftserkenntnis finden sich darunter, so auch die folgende treffende Beschreibung des Feminats. Der Verfasser spricht zwar vom „Matriarchat“, beschreibt aber genau jene Herrschaftsstruktur, die ich als Feminat definiert habe. Die Differenz ist also rein terminologischer Natur. Bevor der Kommentar noch zensiert wird, zitiere ich ihn vollständig: (mehr …)

Präzisierungen zu Guydykes und männlichen Lesben

In einer Email hat mir jemand ein paar Einwände und Fragen zu meinem Artikel über Guydykes geschrieben:

die eigentliche frage, die sich stellt, ist, inwiefern sich ein widerspruchsloses bild ergeben kann, wenn ein gd (im engen sinne) nicht gleichzeitig ml (im engen sinne) ist, bzw umgekehrt. denn wenn der guydyke nur lesben begehrt, muss er sich selbstredend für diese attraktiv machen (effeminieren).

Nein, er kann einfach nur die Gesellschaft von Lesben schätzen, ohne selbst eine weibliche Geschlechtsidentität zu haben und ausleben zu wollen. Außerdem begehrt eine männliche Lesbe nicht notwendigerweise nur Lesben. Die begriffliche Trennung ist schon sinnvoll. (mehr …)

Männliche Lesben sind keine Guydykes und Guydykes keine männlichen Lesben

Männliche Lesben und Guydykes wünschen sich lesbische Intimität.

Der Satz gilt jedenfalls, wenn man Guydykes und männliche Lesben so definiert wie ich. Ich orientiere mich dabei zum einen an einer Definition von Guydykes in der Wikipedia und zum anderen an der Einführung des Begriffs der männlichen Lesbe durch Brian G. Gilmartin. In der Wikipedia heißt es:

Guydyke refers to a biologically male person who feels a strong romantic or erotic attraction towards lesbians, bisexual women, or lesbian culture.

(„Girlfag and guydyke“)

Im selben Artikel wird noch eine andere Definition gegeben:

In queer subcultures a lesbian-identified male is called guydyke. This term was coined in about 2001 as an equivalent to girlfag.

(ebenda)

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Das Bedürfnis nach Instantliebe und die Zurückweisung mittels weiblicher Vergewaltigung

Instantliebe ist angesagt

In Bezug auf die Frauen, die Love-Shys begehren, schreibt Gilmartin:

(…) most of the younger love-shy men seemed to maintain a sense of optimism that they could or would somehow one day magically be able to win such a specimen without taking any positive steps on their own initiative. Their fantasies and daydreams revolved almost exclusively around the imagery of already having such a beautiful woman.

(Gilmartin: Shyness and Love, S. 301)

Mir ging es früher genauso. Bei jedem Mädchen, in das ich verliebt war, hielt ich es für möglich, dass es meine Zuneigung erkennen würde und meine Nähe suchen würde. Wenn wir zueinander passten, würde das Mädchen mich finden und sich für mich entscheiden und wir wären plötzlich in einer Beziehung. Ich glaubte, die künftige Begegnung mit der Geliebten sei ganz sicher, weil ich ja tiefe Gefühle für sie empfand. Anderenfalls, falls das Mädchen kein Interesse an mir zeigen würde, könnte ich es ohnehin nicht lieben. Wechselseitige Zuneigung und Vertrauen sind für mich Voraussetzungen für eine dauerhafte Liebe. Somit ist die einzige Möglichkeit, wie eine Beziehung entstehen könnte, dass die Auserwählte die Initiative ergreift. Es ist aus mehreren Gründen völlig ausgeschlossen, dass ich den ersten Schritt mache. Die Erfahrungen von Millionen Männern geben mir Recht. (mehr …)

Love-Shyness als Epiphänomen von Cross-Sexualität

Crossdressing

Crossdresser und Ehemann

Eine Person ist love-shy genau dann, wenn alle diese Aussagen über sie zutreffen:

  1. Sie hatte nie Geschlechtsverkehr.
  2. Sie geht selten aus, um sich mit Frauen zu treffen.
  3. Sie hatte nie eine gefühlsmäßig enge und bedeutsame Beziehung, die von romantischer oder sexueller Art war.
  4. Sie hat emotional gelitten und leidet weiterhin, weil ihr eine bedeutsame Freundschaft mit einer Frau fehlt.
  5. Sie wird schon beim Gedanken, ungezwungen und freundlich gegenüber Frauen aufzutreten, von Sorge geplagt.
  6. Sie ist heterosexuell.
  7. Sie ist männlich.

(nach Gilmartin: Shyness and Love (1987), S. 117-118)

Was sich wie eine willkürliche Festlegung liest, ist gewissermaßen tatsächlich eine. Eine Aufstellung von Kriterien war erforderlich, damit Gilmartin Probanden für seine Studie finden konnte, um also überhaupt erst eine Auswahl zu untersuchender Personen zu treffen. (mehr …)

Was ist eine männliche Lesbe?

Der Terminus wurde 1987 von Brian G. Gilmartin in „Shyness & Love“ eingeführt:

Specifically, a „male lesbian“ is a heterosexual man who wishes that he had been born a woman, but who (even if he had been a woman) could only make love to another woman and never to a man. Unlike the transsexual, the „male lesbian“ does not feel himself to be „a woman trapped inside the body of a man“. Moreover, none of the love-shy men studied for this research entertained any wishes or fantasies of any kind pertinent to the idea of obtaining a sex change operation. All wanted to keep their male genitalia; all wanted to remain as males. However, all deeply envied the p[r]erogatives of the female gender and truly believed that these p[r]erogatives fitted their own inborn temperaments far more harmoniously than the pattern of behavioral expectations to which males are required to adhere. (ebenda, S. 125)

Eine männliche Lesbe ist demnach ein heterosexueller Mann, der sich wünscht, als Frau geboren worden zu sein, und in diesem Fall lesbisch wäre. Eine Modifikation des Körpergeschlechts kommt für eine männliche Lesbe nicht in Frage. Ein solcher Mann hat ein gutes Gespür für die weiblichen Privilegien („prerogatives“), weil sie ihm selbst sehr zum Nachteil gereichen, wie die Auskünfte dreier Männer belegen. Ich zitiere kurz daraus:

I know I would have been much happier as a girl because I have always been attracted to the kinds of things that girls do. But every time I think about how great it would have been if I had been born a girl, I immediately realize that if I had been born a girl I would be a lesbian. I have always strongly disliked the idea of doing anything with my own sex. I despise men. Just thinking about making love to a man, even as a woman, makes me want to throw up! But I would also never want to play football or baseball or any of the other games boys are supposed to like playing. I never wanted to have anything to do with the male sex, on any level. (ebenda, S. 125)

Ein anderer Mann sagt:

To be perfectly frank, I don’t think I would be shy at all if it wasn’t for this goddam norm that says that only the man can make the first move with a woman in asking for dates. (ebenda, S. 125)

Ein weiterer Mann meint:

Well, I don’t know if I’d actually like to be a woman. All I know is that I’ve always envied women because they can play the passive role and still get married. I think our society is extremely cruel to men. It treats them like second class citizens all the time while women get treated like prima donnas. (…) I mean, men are human beings too, and they have feelings just as much as any woman does. I think it’s rotten and stinking the way it’s always the man who is made to suffer—like in the military, for example. Just because a person happens to be a male he has to suffer all the horrors and indignities of the military establishment and the selective slavery system. If you’re a man you’re not supposed to feel any pain. You’re not supposed to have any feelings. You’re supposed to be just like a piece of steel and press forward no matter what harm or pain comes to you. Well, I was lucky in being able to avoid the military—thank God! But when it comes to getting a woman there doesn’t seem to be any way of getting around these extremely cruel social rules that insist that only the man can be allowed to make the first approach with a woman … (ebenda, S. 126)

Weibliche Privilegien werden einer männlichen Lesbe zum Verhängnis, weil sie sich nicht so anpassen kann, dass sie ihre Benachteiligung als Mann kompensiert. Eine männliche Lesbe würde gerne die weibliche Geschlechterrolle (d. h. ein Bündel an Verhaltensweisen, das Frauen monopolisieren) übernehmen, was ihr in dieser Gesellschaft verwehrt wird. Sie hat ähnliche Vorlieben wie Frauen, will mit Frauen zusammen sein und sträubt sich gegen die Einsortierung als Mann, die ihr von Geburt an aufgezwungen wurde. Sie leidet auch darunter, dass Männer die Initiative bei der Partnersuche ergreifen müssen. Die Persönlichkeit einer männlichen Lesbe ist überhaupt nicht männlich. In dieser Gesellschaft wird es ihr aufgrund ihres männlichen Körpers verwehrt, gemäß ihrer weiblichen Persönlichkeit zu leben. Die eigentliche Krux ist, dass es überhaupt Privilegien für ein Geschlecht gibt und dass sich ein Geschlecht – das männliche – in ein „selektives System der Sklaverei“ einfügen muss. Warum dürfen Menschen nicht, egal welches Geschlecht sie haben, so passiv und so emotional sein, wie sie wollen, ohne dass sie deshalb benachteiligt werden? Die Regeln der vorherrschenden sexistischen Apartheid sind so grausam, dass sie viele Männer davon ausschließen, romantische oder sexuelle Beziehungen mit Frauen einzugehen. Männer sind dazu verdammt, das Wegwerfgeschlecht zu sein, das sich fürs Kapital und mittelbar für Frauen vernutzen lässt.