Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

Beiträge mit Schlagwort ‘Diskussion’

Eine linke Kritik der Definitionsmacht

Ich weise auf einen Vortrag – Titel: „Kein Kavaliersdelikt. Eine feministische Kritik der ‚Definitionsmacht‘.“ – der Gruppe Les Madeleines hin. (MP3) Dem Vortrag schließt sich eine lange Diskussion an.

Definitionsmacht ist das sexistische Gewaltinstrument des Feminats, das es jeder Frau erlaubt, jeden Mann grundlos der „Vergewaltigung“ falsch zu beschuldigen und die Staatsgewalt des Feminats auf ihn zu hetzen. Anscheinend ist der Leidensdruck vieler Menschen sogar in pro-feministisch gesinnten linken Zusammenhängen inzwischen zu groß, als dass dieser menschenverachtende Anschlag feministischer Irrer auf alle Männer noch allseits hingenommen werden könnte. Von dem Vergewaltigungsmythos, der irrigen Überzeugung, es gäbe so etwas wie „Vergewaltigung“, rückt der Referent zwar erwartungsgemäß nicht ab; die Thesen und Fragen, von einem rationalen Ausgangspunkt an die irrationalen Vertreter der Definitionsmacht und anderer feministischer Dogmen gerichtet, sind dennoch sehr entlarvend. Insgesamt wird ein informativer Überblick über die Absurdität des Postulats der Definitionsmacht gegeben.

Zu dem Vortrag hat die Redaktion des ehemaligen „MAGAZIN“ ein Dossier erstellt, das u. a. dieses eindringliche Plädoyer (von keinedefma) gegen die Definitionsmacht enthält. Der Autor findet deutliche Worte:

(…) Wer ein besonderer Freund der unterdrückten Frauen sein wollte, der musste bloß das einzige Axiom bedingungslos akzeptieren und rigoros verteidigen, das die Definitionsmacht bereit hält: Die Frage, was als sexueller Übergriff gilt, bestimmt eine einzige Person – diejenige, die sich davon, nach welchen Kriterien auch immer, betroffen fühlt. Jeder, der das nicht akzeptiert, ist ein Sympathisant der patriarchalen Gewalt, mithin: politischer Feind. Das ist für die meisten eine einfache Welt mit einer noch nie da gewesenen Eindeutigkeit von „Gut“ und „Böse“. Das ist ein erhebendes Gefühl, besonders für die Antifas, Autonomen, Feministen, die jeder mit deutschsprachiger Szeneerfahrung kennt: Sie lieben ihren Lifestyle mit einer Mischung aus Genuss und weltschmerzelnder Tragik. Sie haben ihren hauptsächlichen sozialen Bezugsrahmen im lokalen AZ. Sie entstammen meist der Mittelschicht und haben entsprechend gute Anbindung an die hiesigen Bildungsinstitutionen. Sie sprechen fließendes Deutsch. Sie sind so gut wie nie Ausländer, eigentlich niemals „dunkelhäutig“. Eine erschreckend große Anzahl hat psychische Probleme. Sie neigen zu starren politischen Dichotomien, weitgehend unbeweglichen weltanschaulichen Glaubenssystemen: Sie halten ihre Unnachgiebigkeit für Radikalität, ihre Unverständlichkeit für Differenziertheit und ihre Aggressionsbereitschaft für Plausibilität. Diese Leute sind häufig tonangebend in linken Zusammenhängen. Man hat ihnen diese Macht aus Unbedarftheit und anfänglicher Begeisterung und in Ermangelung besserer Alternativen übertragen. Sie haben sich mit politischem Verbalradikalismus und argumentativen Allgemeinplätzen den Status erarbeitet, besonders vertrauenswürdig zu sein. Und zuschlagen können sie auch. Deswegen schützen sie die Party nach dem Kongress, das Antifa-Café oder das antimilitaristische Theorie-Camp. Dort mustern diese Leute ihr Gegenüber genau, suchen nach Abweichungen – besonders bei Leuten, die sie nicht kennen. Sie warten auf ein falsches Wort, auf verräterische Körpersprache. Sie wollen, dass die Unbekannten sich falsch verhalten, damit sie loslegen können: Aufgebrachtes Herunterrattern von einstudierten Argumenten in einem einheitlichen Jargon, manchmal von vornherein aggressiv, manchmal trotzig – und fast immer umringt von drei, vier, fünf, zehn oder gar zwanzig (meist männlichen) Sympathisanten, die auf „ihr Zeichen“ warten. Ihre Kontrahenten reagieren auf die Bedrohungssituation naturgemäß mit Panik, Hilflosigkeit, Trotz oder Angriff. In jedem Fall: Wenn sie nicht einsehen, dann sind sie dran. Dann wird es plötzlich lauter. Einer der Rundumstehenden hat mittlerweile die Quarzsandhandschuhe angezogen und schubst den Delinquenten. Wenn der sich jetzt wehrt, hat er verloren. Dann rasselt es Schläge, Tritte, womöglich zückt einer einen Teleskopschlagstock oder sprüht ein besonders starkes Pfeffergel, das er sich aus den USA bestellt hat. Man verfrachtet den Malträtierten auf die Straße, wo er sich alleine oder mit Hilfe seiner leicht verletzten Begleiter zur nächstgelegenen Haltestelle schleppt. Die Polizei kann er sich sparen: Niemand hat irgendwas gesehen und die Mehrheit der Schläger war vermummt. Diese Abfertigung wird zumindest jenen zuteil, die mit der Definitionsmacht-Szene wenig bis gar nichts zu tun haben und schlicht mit ihrem normalen Habitus auf der falschen Musikveranstaltung gelandet sind. Noch weitreichender sind die Konsequenzen für die Integrierten, für die Leute „aus der Szene“. (…)

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Die Rolle der Pri­vat­sphäre im Kapitalismus

Überall besteht die bürgerliche Gesellschaft auf der Anstrengung des Willens; nur die Liebe soll unwillkürlich sein, reine Unmittelbarkeit des Gefühls. In der Sehnsucht danach, die den Dispens von der Arbeit meint, transzendiert die bürgerliche Idee von Liebe die bürgerliche Gesellschaft. Aber indem sie das Wahre unvermittelt im allgemeinen Unwahren aufrichtet, verkehrt sie jenes in dieses. Nicht bloß, daß das reine Gefühl, soweit es im ökonomisch determinierten System noch möglich ist, eben damit gesellschaftlich zum Alibi für die Herrschaft des Interesses wird und eine Humanität bezeugt, die nicht existiert. Sondern die Unwillkürlichkeit von Liebe selber, auch wo sie nicht vorweg praktisch eingerichtet ist, trägt zu jenem Ganzen bei, sobald sie sich als Prinzip etabliert. Soll Liebe in der Gesellschaft eine bessere vorstellen, so vermag sie es nicht als friedliche Enklave, sondern nur im bewußten Widerstand. Der jedoch fordert eben jenes Moment von Willkür, das die Bürger, denen Liebe nie natürlich genug sein kann, ihr verbieten. (…)

(Theodor W. Adorno: „Minima Moralia – Reflexionen aus dem beschädigten Leben“, 110: „Constanze“)

Mit anderen Worten, Liebe kann nur im Widerstand gegen den Kapitalismus gefunden werden. Liebe ist als Zufluchtsstätte vor der Gewalt der kapitalistischen Konkurrenz untauglich. Sie kann nicht einlösen, was sich Bürger von ihr erwarten. Deshalb mündet sie regelmäßig im Desaster. Der einzige Ausweg wäre, den Kapitalismus zu zerschlagen.

Zu diesem Thema referierte Dr. Rolf Röhrig vom GegenStandpunkt unter dem Titel „Sex, Liebe, Familie: Die Rolle der Pri­vat­sphäre im Kapitalismus“. Eine Aufzeichnung des Vortrags mit Diskussion ist verfügbar.

Peter Decker zur Frauenfrage

Peter Decker von der Marxistischen Gruppe (heute GegenStandpunkt) formulierte anlässlich der Studentenbewegung 1988/89, in der die Frauenfrage ein zentrales Thema war, in einem Vortrag seine Kritik an dem ganzen feministischen Irrsinn, der schon damals an den Universitäten virulent war und heute die ganze Gesellschaft heimsucht. Die ganze Palette der feministischen Themen – von Lohnungerechtigkeit, über Patriarchat und „feminisierte Wissenschaft“ bis zur albernen Sprachregelung – nimmt Decker aufs Korn.

Da der Feminismus seit jeher dieselben Gedanken wiederkäut, als hätte es nie einen Einwand gegeben, ist der Vortrag noch immer aktuell. Ich weise auf diese Sternstunde marxistischer Kritik auch in der Hoffnung hin, dass antifeministische Kritik nicht pauschal als „rechts“ abgetan wird und dass „linke“ Strömungen in ihrer Vielfalt wahrgenommen werden. Der Vortrag unterstreicht die These, dass die Emanzipation der Geschlechter nur im Zuge einer kommunistischen Revolution zu erzielen ist. Ich fürchte, diese Erkenntnis wird bei den heutigen Maskulisten genauso wenig ankommen wie bei den feministischen Zuhörerinnen von damals.

Aufzeichnung der Veranstaltung