Vom Überleben als männliche Lesbe im kapitalistischen Feminat

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Ein alternatives Ideal weiblicher Schönheit

Gilmartin hat in seiner Untersuchung zur Love-Shyness eine interessante Präferenz entdeckt. Love-Shys bevorzugen einen bestimmten Typ Frau und eine bestimmte Art der Schönheit, was sie von anderen gynephilen Männern unterscheidet und alternative unkonventionelle Kriterien für weibliche Schönheit begründet.

The fantasies enjoyed by these men typically entailed being warmly loved by very feminine, nurturant, non-assertive but liberal-minded women with long hair, beautiful faces, and very little or no make-up. They tended to fantasize women with a rather delicate, ethereal beauty, and with a gentleness and vulnerability that is not realistically likely to be found in today’s world.

(Gilmartin: Shyness and Love, S. 301)

Wichtig ist also neben einem Äußeren mit femininen Attributen (schönes Gesicht, langes Haar) auch die „innere Schönheit“. Den Love-Shys kommt es bei ihrer Partnerin auf eine fürsorgliche, unaufdringliche und liberal gesinnte Persönlichkeit an. Auch auf Sanftheit und Verletzlichkeit wird sehr viel Wert gelegt. Ich kann diese Präferenz für mich nur bestätigen. Exakt so ist es. Mehr noch:

(…) the need for a girl with a beautiful face tends to be far greater among love-shy men than it is among non-shy men. In fact, for most love-shys it is probably accurate to assert that the need for a girl with an esthetically pleasing, beautiful appearance dominates over all other needs. More succinctly, most love-shy men are prone to subordinate the desirability and importance of other feminine attributes (including those related to personality) to those which pertain to physical (and especially facial) beauty.

(ebenda, S. 302; Hervorhebung im Original)

Ganz so extrem sehen es sicher nicht alle Love-Shys oder männliche Lesben. Die physische Schönheit rangiert bei mir nicht über der Persönlichkeit. Beides ist gleichrangig. Eine Frau mit zu mir passender Persönlichkeit, aber ohne hinreichende ästhetische Qualitäten, zu begehren, wäre für mich wohl doch eine hohe, möglicherweise zu hohe, Herausforderung.

Die Ursachen für diese Präferenz, die sich in der Vergleichsgruppe aus nicht schüchternen Personen nicht entdecken ließ, sind unbekannt. Gilmartin erklärt zwar, dass Love-Shys versuchen, ihrem unerreichbaren Wunsch nach einer Partnerin, ersatzweise dadurch näher zu kommen, dass sie sich die bevorzugte, fiktive, Partnerin in ihrer Fantasie und in Tagträumen ausmalen; er weiß jedoch keinen Grund, warum die Vorstellungen so unrealistisch sind. Sie beziehen sich auch meist nicht auf eine verfügbare Frau aus dem sozialen Umfeld des Love-Shys.

Akzeptiert man die Theorie, dass der Zustand der männlichen Lesbe auf Cross-Sexualität zurückgeht, so lässt sich die Hypothese aufstellen, dass diese Präferenzen wenigstens partiell durch das teils weibliche (d. h. nicht virilisierte) Gehirn bedingt sind. So ließe sich die typisch weibliche Passivität der männlichen Lesbe bei der Partnersuche durch eine biologische Gegebenheit erklären. Wie viele weibliche Lesben ist die männliche Lesbe passiv. In ihrer Partnerpräferenz ist sie gynephil. Ferner bevorzugt sie eine Partnerin, die die romantische Initiative ergreift. Auch die Vorliebe für Sanftheit und Verletzlichkeit bei der idealen Partnerin scheint aus dem femininen Naturell der männlichen Lesbe hervorzugehen. Die an Männer gerichtete Erwartung, Frauen zu trotzen und sie zu „beschützen“ (wovor auch immer), ist folglich für männliche Lesben gänzlich unerfüllbar. Sie verlangen nach einer Partnerin, die so gleichberechtigt – emanzipiert („liberal-minded“) – ist, dass sie männliche Aggression nicht braucht (also sanft ist) und sehr geringe „Schutz“-Gesten bereits zu schätzen weiß (also sehr verletzlich ist/wirkt).

In Shyness and Love werden keine Beispiele gegeben, wie solche Frauen, die als Partnerin eines Love-Shys oder einer männlichen Lesbe in Frage kommen, aussehen könnten. Hier will ich – ein Bild sagt schließlich mehr als tausend Worte – in einigen Fotos zeigen, welche Frauen (welcher Typ Frau), berücksichtigt man nur den visuellen Eindruck, auf mich persönlich attraktiv wirken. Für andere männliche Lesben mögen die Präferenzen etwas anders liegen.

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